Viele möchten im Job alles richtig machen. Doch manchmal wird zu viel verlangt: Überstunden, spontane Einsätze, zusätzliche Aufgaben. Viele trauen sich dann nicht, Nein zu sagen – aus Angst vor Ärger oder sogar einer Abmahnung.
Dabei ist es dein gutes Recht, Grenzen zu setzen. In diesem Artikel erfährst du, wann du Nein sagen darfst – und wie du das freundlich, aber klar tust.

Was das Direktionsrecht wirklich bedeutet

Dein Arbeitgeber darf dir Aufgaben zuweisen. Das nennt man Direktionsrecht.
Doch dieses Recht hat Grenzen: Du musst nur tun, was in deinem Arbeitsvertrag steht.

Wenn du als Produktionshelferin eingestellt bist, darf dein Chef dich nicht plötzlich in die Buchhaltung schicken. Oder wenn du im Lager arbeitest, darf er dich nicht bitten, Fahrzeuge zu fahren, wenn du keinen Führerschein hast.

👉 Merke: Du darfst Nein sagen, wenn du für die Aufgabe nicht ausgebildet bist, sie gefährlich ist oder nichts mit deinem Job zu tun hat.

So sagst du freundlich Nein:

  • „Ich helfe gern, aber diese Aufgabe fällt nicht in meinen Bereich.“
  • „Ich bin für Lagerarbeiten zuständig, nicht für die Buchhaltung. Soll ich stattdessen beim Wareneingang unterstützen?“
  • „Das kann ich leider nicht übernehmen, weil ich dafür keine Schulung habe.“

Überstunden – wann du Nein sagen darfst

Viele glauben, sie müssen jede Überstunde mitmachen. Doch das ist falsch.
Überstunden sind nur erlaubt, wenn sie vertraglich geregelt sind oder wenn ein echter Notfall vorliegt.

Du darfst also Nein sagen, wenn: – dein Arbeitsvertrag keine Überstundenklausel enthält,
– du regelmäßig länger bleibst, ohne Ausgleich,
– du gesundheitlich erschöpft bist,
– du private Verpflichtungen hast (z. B. Kinder, Pflege, Arzttermine).

Ein höfliches Nein zeigt, dass du Verantwortung für dich übernimmst – und trotzdem teamorientiert bleibst.

So kannst du Überstunden ablehnen:

  • „Ich verstehe, dass es gerade viel zu tun gibt, aber ich kann heute keine Überstunden leisten.“
  • „Ich habe morgen Frühdienst, daher ist es wichtig, dass ich meine Ruhezeit einhalte.“
  • „Ich kann heute nicht länger bleiben, weil ich einen festen Termin habe. Ich bin morgen pünktlich da und helfe gern weiter.“
  • „Können wir die Aufgaben vielleicht anders verteilen, damit alles rechtzeitig fertig wird?“

👉 Tipp: Je ruhiger und sachlicher du bleibst, desto besser wird dein Nein akzeptiert.

Notfälle – wann du einspringen musst (und wann nicht)

Nicht jedes Problem im Betrieb ist ein Notfall.
Ein Notfall liegt nur dann vor, wenn Gefahr für Menschen, Maschinen oder den Betrieb besteht.

Beispiele: – Ein Rohrbruch in der Produktionshalle = echter Notfall.
– Ein Kollege ist krank und es fehlt jemand = kein Notfall.

Du darfst also ablehnen, wenn du „nur“ wegen Personalmangels oder kurzfristiger Planung angerufen wirst.

Beispielhafte Antworten für solche Situationen:

  • „Ich verstehe, dass es eng ist, aber das ist kein Notfall im rechtlichen Sinn. Ich kann heute nicht kommen.“
  • „Ich habe bereits meine Ruhezeit begonnen. Wenn es wirklich dringend ist, kann ich morgen früher starten.“
  • „Ich bin gern flexibel, aber ich brauche rechtzeitige Planung – heute geht es leider nicht.“

Dein Recht auf Pause und Freizeit

Auch in stressigen Phasen gilt: Pausen und Ruhezeiten sind gesetzlich geschützt.
Nach spätestens sechs Stunden Arbeit steht dir eine Pause zu, zwischen zwei Arbeitstagen mindestens elf Stunden Ruhezeit.

Wenn du während deiner Pause oder am freien Tag angerufen wirst, darfst du ablehnen – ohne schlechtes Gewissen.

So sagst du freundlich Nein:

  • „Ich bin aktuell in meiner Pause, melde mich danach gern zurück.“
  • „Heute ist mein freier Tag, ich bin morgen wieder erreichbar.“
  • „Ich erhole mich gerade – könnten wir das morgen besprechen?“

👉 Wichtig: Du musst dich nicht rechtfertigen. Eine kurze, klare Antwort reicht völlig aus.

Wenn du einfach überfordert bist

Manchmal willst du helfen, aber es geht einfach nicht mehr. Auch dann darfst du Nein sagen.
Niemand darf dich überfordern oder in Situationen bringen, in denen du gesundheitliche Risiken eingehst.

Beispiele: – „Ich merke, dass ich heute nicht mehr konzentriert bin – ich möchte keinen Fehler machen. Ich setze das morgen fort.“
– „Das schaffe ich heute nicht mehr in guter Qualität. Ich kann es morgen zuverlässig fertigstellen.“
– „Ich fühle mich gerade überlastet, könnten wir die Aufgaben neu verteilen?“

👉 Dein Ziel ist nicht, Arbeit zu vermeiden, sondern verantwortungsvoll mit dir selbst umzugehen.

Was passiert, wenn du Nein sagst?

Viele befürchten, dass sie sofort Ärger bekommen oder abgemahnt werden. Doch das ist unbegründet.
Eine Abmahnung ist nur erlaubt, wenn du deine Pflichten schuldhaft verletzt.
Wer sich auf das Arbeitsrecht beruft, darf nicht bestraft werden.

Wenn du dich trotzdem unwohl fühlst oder Druck bekommst: – Sprich zuerst mit deinem Ansprechpartner beim Personaldienstleister.
– Oder wende dich an den Betriebsrat – er ist verpflichtet, dich zu unterstützen.

👉 Gerade in der Zeitarbeit gilt: Dein Arbeitgeber ist die Zeitarbeitsfirma – sie steht auf deiner Seite.

So sagst du Nein – 10 Beispiel-Sätze für den Alltag

  1. „Ich helfe gern, aber heute ist das leider nicht möglich.“
  2. „Ich verstehe den Zeitdruck, aber ich habe meine gesetzliche Arbeitszeit erreicht.“
  3. „Ich habe das Gefühl, das geht über meine Zuständigkeit hinaus – können wir das kurz prüfen?“
  4. „Ich würde das gern übernehmen, brauche dafür aber vorher eine Einweisung.“
  5. „Ich bin im Moment ausgelastet – wann genau soll die Aufgabe erledigt werden?“
  6. „Heute geht es leider nicht, aber ich kann morgen unterstützen.“
  7. „Das ist mir im Moment zu viel. Können wir Prioritäten setzen?“
  8. „Ich habe bereits andere Aufgaben zugesagt. Was hat Vorrang?“
  9. „Ich möchte sicherstellen, dass die Qualität stimmt. Dafür brauche ich mehr Zeit.“
  10. „Ich verstehe die Situation, aber das überschreitet meine Arbeitszeit. Ich bespreche das gern morgen früh.“

Alle diese Sätze zeigen: Du bist kooperativ – aber du kennst deine Rechte und deine Grenzen.

FAQ – Häufige Fragen

  1. Darf ich Überstunden ablehnen, ohne abgemahnt zu werden?
    Ja. Wenn keine Regelung im Vertrag steht oder kein echter Notfall vorliegt, darfst du Überstunden ablehnen.
  2. Was, wenn mein Chef trotzdem Druck macht?
    Bleib ruhig, wiederhole dein Nein sachlich und notiere dir den Vorfall. Wende dich an deinen Personaldienstleister oder den Betriebsrat.
  3. Darf mein Chef mich in der Freizeit anrufen?
    Nur in Ausnahmefällen. Freizeit ist gesetzlich geschützt.
  4. Kann ich Aufgaben verweigern, die nichts mit meinem Job zu tun haben?
    Ja, wenn sie nicht zu deinem Vertrag oder deiner Qualifikation passen.
  5. Was, wenn ich Angst vor Konsequenzen habe?
    Rede mit deiner Zeitarbeitsfirma. Sie ist dein Arbeitgeber und muss dich schützen – notfalls auch gegenüber dem Einsatzbetrieb.

Fazit: Selbstbewusst Nein sagen – mit gutem Gefühl

Nein zu sagen heißt nicht, unkooperativ zu sein. Es bedeutet, seine Grenzen zu kennen, Verantwortung zu übernehmen und professionell zu handeln.
Ob bei Überstunden, Zusatzaufgaben oder Notfällen – du darfst dich auf das Gesetz berufen.
Und das Beste: Wer respektvoll Nein sagt, wird meist noch ernster genommen.

👉 Tipp: Sprich dein Nein ruhig aus – freundlich, aber klar. Du schützt dich, bleibst professionell und sorgst dafür, dass Arbeit gesund bleibt.

 

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Das Foto und der Text wurden teilweise mit Hilfe von KI erstellt.