Was passiert, wenn dein Lohn falsch ist? So reklamierst du richtig

Ein falscher Lohn kann für viel Stress sorgen – besonders, wenn das Geld knapp kalkuliert ist. Doch keine Sorge: Du hast Rechte, klare Ansprüche und gute Wege, um Fehler schnell zu klären. In diesem Artikel erfährst du, wie du vorgehst, wenn dein Lohn falsch ist, was du als Zeitarbeitnehmer:in beachten musst und wie du dich professionell wehrst – ohne Angst vor Konsequenzen.

1. Falscher Lohn? Diese Fehler passieren besonders häufig

Ein falscher Lohn ist kein Einzelfall. Viele Beschäftigte in Deutschland haben mit falschen Lohnabrechnungen oder unvollständigen Zahlungen zu kämpfen. – oft ohne böse Absicht. Besonders in der Zeitarbeit, wo viele Einsatzorte und Zuschläge anfallen, entstehen leicht Unstimmigkeiten.

Typische Fehlerquellen sind:
– Falsch übertragene Stunden aus dem Einsatzbetrieb
– Nicht erfasste Zuschläge (z. B. Nacht-, Schicht- oder Feiertagszuschläge)
– Fehler bei Urlaubs- oder Krankheitszeiten
– Doppelte oder vergessene Abzüge
– Verwechslung bei Einsatz- oder Kundennummern

👉 Tipp: Vergleiche jede Abrechnung mit deinem Stundenzettel oder dem Einsatznachweis – das ist dein wichtigster Beleg.

2. Erste Hilfe: So prüfst du deine Lohnabrechnung richtig

Auch wenn die Abrechnung kompliziert aussieht, kannst du sie Schritt für Schritt kontrollieren:

  1. Bruttolohn prüfen: Entspricht der Betrag deinem vereinbarten Stundenlohn oder Monatsgehalt?
  2. Gearbeitete Stunden: Stimmen sie mit deinen eigenen Aufzeichnungen oder Zeiterfassungen überein?
  3. Zuschläge: Achte auf Nacht-, Sonn- oder Feiertagszuschläge. In der Zeitarbeit sind sie häufig tariflich geregelt.
  4. Abzüge: Vergleiche Sozialabgaben, Steuern und eventuelle Vorschüsse.
  5. Sonderzahlungen: Urlaubs- und Weihnachtsgeld müssen nach Tarifvertrag korrekt berechnet sein.

👉 Profi-Tipp: Wenn du in der Zeitarbeit nach BAP- oder iGZ-Tarifvertrag arbeitest, hast du Anspruch auf transparente Abrechnungen. Dein Personaldienstleister muss dir auf Nachfrage erklären, wie dein Lohn berechnet wurde.

3. Lohn reklamieren – so gehst du professionell vor

Wenn du merkst, dass etwas nicht stimmt, heißt es: ruhig bleiben, sachlich prüfen und schriftlich reklamieren. So gelingt’s:

Schritt 1: Sammle Belege

Notiere deine tatsächlichen Arbeitszeiten, Einsatzorte und Zuschläge. Je genauer du bist, desto leichter lässt sich der Fehler nachvollziehen.

Schritt 2: Sprich mit deinem Ansprechpartner

Wende dich direkt an deine Kontaktperson in der Zeitarbeitsfirma – meist ist das dein Disponent oder jemand aus der Lohnbuchhaltung. Formuliere dein Anliegen freundlich, aber bestimmt:

„Mir ist aufgefallen, dass meine Abrechnung für den Monat August nicht stimmt. Laut meinen Aufzeichnungen habe ich 168 statt 152 Stunden gearbeitet. Können Sie das bitte prüfen?“

Schritt 3: Bestätigung per E-Mail

Schicke zur Sicherheit eine kurze Zusammenfassung per Mail. So hast du einen Nachweis, falls du später nochmal nachhaken musst.

Schritt 4: Nachfrist setzen

Wenn sich innerhalb einer Woche nichts tut, kannst du schriftlich eine Nachfrist zur Korrektur und Zahlung setzen. Bleib dabei höflich, aber klar.

4. Deine Rechte bei falscher Bezahlung

Nach deutschem Arbeitsrecht (§ 611a BGB) hast du Anspruch auf vollständige und pünktliche Lohnzahlung. Fehler müssen korrigiert werden – rückwirkend bis zu drei Jahre (§ 195 BGB).

Wichtige Rechte auf einen Blick:
– Anspruch auf Nachzahlung bei fehlerhafter Abrechnung
– Keine Nachteile durch Reklamation – dein Arbeitgeber darf dich deshalb nicht benachteiligen
– Recht auf transparente Einsicht in Abrechnungsgrundlagen
– Möglichkeit, Lohnforderungen schriftlich einzuklagen, falls keine Einigung erfolgt

👉 Achtung für Zeitarbeitnehmer:innen: In Tarifverträgen (BAP oder iGZ) gelten oft kürzere Ausschlussfristen, z. B. drei Monate ab Fälligkeit. Prüfe also deine Vertragsbedingungen genau!

5. Speziell für Zeitarbeitnehmer:innen – das solltest du wissen

In der Zeitarbeit gibt es besondere Regelungen, die du unbedingt kennen solltest:

Dein Arbeitgeber ist die Zeitarbeitsfirma

Auch wenn du im Einsatzbetrieb arbeitest, zahlt dein Personaldienstleister deinen Lohn. Er ist verantwortlich für alle Abrechnungen, Zuschläge und Korrekturen – nicht der Kunde, bei dem du arbeitest.

Equal Pay – dein Recht auf gleiche Bezahlung

Nach neun Monaten im gleichen Einsatzbetrieb hast du Anspruch auf das gleiche Gehalt wie vergleichbare Festangestellte. Wenn das nicht berücksichtigt wird, kannst du Equal-Pay-Nachzahlung verlangen.

Wechselnde Einsätze = höhere Fehlergefahr

Bei häufigen Einsatzwechseln ändert sich oft auch dein Zuschlagssystem (z. B. andere Schichten oder Branchenzuschläge). Kontrolliere besonders in Übergangsmonaten deine Abrechnung sorgfältig.

Deine Ansprechpartner

  • Disponent oder Personalberater: für Rückfragen zu Stunden und Einsätzen
  • Lohnbuchhaltung: bei fehlerhaften Abrechnungen
  • Betriebsrat deiner Zeitarbeitsfirma (falls vorhanden): für Unterstützung bei Konflikten

👉 Tipp: Gute Zeitarbeitsfirmen wie adevis haben feste Ansprechpartner, die deine Einsätze, Zeiten und Löhne genau kennen – nutze diese Hilfe aktiv.

6. Wenn dein Arbeitgeber nicht reagiert

Wenn du trotz mehrfacher Nachfrage keine Antwort erhältst, kannst du weitere Schritte gehen:

  1. Schriftliche Mahnung senden – mit Frist und Hinweis auf dein Recht auf korrekte Lohnzahlung.
  2. Betriebsrat oder Gewerkschaft einschalten – sie können offiziell intervenieren.
  3. Arbeitsgericht anrufen – in Deutschland kannst du Lohnforderungen auch ohne Anwalt einklagen. Das Verfahren ist meist kostenlos.

👉 Wichtig: Hebe alle Abrechnungen, Stundenzettel und E-Mails auf – sie sind dein Nachweis.

7. Fazit: Fehler erkennen, ruhig handeln, Rechte nutzen

Ein falscher Lohn ist kein Grund zur Panik – aber auch kein Grund, still zu bleiben. Wenn du deine Abrechnung regelmäßig prüfst und freundlich, aber bestimmt reklamierst, bekommst du meist schnell dein Geld. Besonders in der Zeitarbeit ist dein Personaldienstleister dein wichtigster Partner. Er kennt deine Einsätze, prüft die Stunden und sorgt dafür, dass du bekommst, was dir zusteht.

👉 Merke: Zeitarbeit kann fair, transparent und sicher sein – wenn du deine Rechte kennst und aktiv nutzt.

Und hier geht´s zum adevis Stellenmarkt.

1. Was tun, wenn mein Lohn falsch berechnet wurde?

Wenn dein Lohn falsch ist, solltest du deine Lohnabrechnung sofort prüfen, Belege sammeln und deinen Arbeitgeber oder die Zeitarbeitsfirma direkt informieren. Reklamiere den Fehler schriftlich und setze bei Bedarf eine Frist zur Korrektur.

2. Wie lange kann ich falschen Lohn nachfordern?

In der Regel kannst du falschen Lohn bis zu drei Jahre rückwirkend nachfordern. In der Zeitarbeit gelten jedoch oft kürzere Fristen laut Tarifvertrag (z. B. 3 Monate). Prüfe deshalb unbedingt deinen Arbeitsvertrag.

3. An wen wende ich mich als Zeitarbeitnehmer bei falschem Lohn?

Als Zeitarbeitnehmer wendest du dich immer an deine Zeitarbeitsfirma, nicht an den Einsatzbetrieb. Dein Ansprechpartner ist meist dein Disponent oder die Lohnbuchhaltung.

4. Kann ich meinen Lohn einklagen, wenn nichts passiert?

Ja, wenn dein Arbeitgeber nicht reagiert, kannst du deinen Lohn vor dem Arbeitsgericht einklagen. Das ist auch ohne Anwalt möglich und oft der letzte Schritt, wenn keine Einigung erzielt wird.

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern auf dieser Website die männliche Form. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter.
Das Foto und der Text wurden teilweise mit Hilfe von KI erstellt.